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OpenCaseLaw

Tips zur Verwendung des OpenCaseLaw KI-Agenten

Wie Sie präzise Anfragen stellen und worauf Sie achten sollten, damit Antworten belastbar, zitierfähig und effizient werden.

Arbeitssprache dieser Texte ist Deutsch.

OpenCaseLawOriginal in Google Docs

1. Grundprinzip: Eine klare Rechtsfrage pro Anfrage

Der Agent arbeitet am besten, wenn Sie ein rechtliches Thema pro Suchschritt formulieren — nicht ganze Schriftsätze oder unstrukturierte Fallakten.

Weniger geeignetBesser
Langer Sachverhalt + 5 Rechtsfragen in einem BlockZuerst: «Führende BGE zu Art. 337 OR»
«Alles zu Mietrecht»«Ausserordentliche Kündigung wegen Zahlungsverzug, Art. 257d OR»
Copy-Paste eines ganzen UrteilsKonkrete Behauptung: «Stützt BGE 140 III 86 die Haftung des Vermieters für …?»

Empfohlene Prompt-Muster:

  • «Finde die leading cases zu [Thema / Art. X Gesetz].»
  • «Was sagt die aktuelle Fassung von Art. X OR? Bitte Normtext und ratio legis.»
  • «Prüfe, ob Entscheid [Aktenzeichen/BGE] die These stützt: …»
  • «Erstelle eine kurze Übersicht: Gesetzestext → Botschaft → Leitentscheide → Lehre zu Art. X.»

2. Die wichtigsten Elemente

A. Rechtsprechung (Entscheide)

  • Suche nach Entscheiden mit Stichworten, Phrasen in Anführungszeichen, Prefix (Kündig*) oder Aktenzeichen (4A_123/2023).
  • Filter: Gericht (bger, bvger, kantonale Codes), Kanton, Datum, Kammer, Publikationsmarker.
  • Leading Cases: thematisch oder normbezogen die am häufigsten zitierten Leitentscheide — ideal als Einstieg.
  • Einzelentscheid: Volltext, Regeste, Struktur (Sachverhalt / Erwägungen / Dispositiv).
  • Pinpoint-Erwägung: Entweder konkrete E.-Nummer abrufen oder per Claim die passende Erwägung finden lassen.
  • Claim-Check: Behauptung gegen Entscheidtext prüfen lassen.
  • Zitationsgraph: Was zitiert der Entscheid? Wer zitiert ihn? Instanzenzug?

B. Erlasse (Normen)

  • Normtext aktuell (Bund + Kantone).
  • Thematische Normsuche, wenn Sie die Artikelnummer nicht kennen.
  • Ganze Erlasse (v. a. kantonal); bei Bedarf Volltext + Artikelliste.
  • Historische Fassung mit Stichtag, wo verfügbar.

C. Materialien & Lehre

  • Botschaft / ratio legis zu einem Artikel (Zweck der Norm).
  • Artikel-Historie als Zeitstrahl: Normtext → Botschaften → Leitentscheide → Doktrin.
  • OnlineKommentar / OA-(Open Access)-Scholarship für dogmatische Einordnung.
  • Verwaltungspraxis (SECO, ESTV, BAFU, SEM): Wegleitungen, Kreisschreiben — nicht mit Rechtsprechung verwechseln.

D. Qualitätssicherung

  • Canonical cite: Zitierform und URL vor dem Schreiben holen.
  • Attest / Audit der Antwort: Existenz von Entscheiden und Pinpoints, Normresolving, wörtliche Zitate, Datums-Check, optional Grounding.

3. Bewährtes Vorgehen

Einstieg in ein Rechtsgebiet

  1. Leading Cases zum Thema oder zur Norm
  2. Aktueller Normtext
  3. Botschaft / Artikelzweck
  4. Doctrine / Commentary
  5. Bei Bedarf Trend (jährliche Entscheidmengen)

Konkrete Fallfrage / Memo

  1. Norm(en) klären
  2. Leitentscheide + relevante Erwägungen
  3. Claim-Support für jede Kernaussage
  4. Lehre / Materialien nur wo Auslegung streitig ist
  5. Antwort entwerfen → Attest → erst dann final ausgeben

«Was gilt zu Art. X?»

Ein Aufruf der Artikel-Historie oder von Doctrine liefert oft schon Norm + Materialien + Leitentscheide + Kommentar-Bogen.

«Stützt BGE … wirklich Aussage Y?»

4. Suchsyntax

  • Phrasen: "Treu und Glauben", "wichtige Gründe"
  • Boolesch: Kündigung AND Zahlungsverzug NOT Probezeit
  • Prefix: verjähr*, Verfassung*
  • Norm in der Entscheid-Suche: "Art. 337 OR" oder regeste:Mietrecht
  • Aktenzeichen / BGE: 6B_1234/2025, BGE 140 III 86
  • Eine Issue pro Query — bei Komplexität lieber 2–3 gezielte Suchen

Sprache: Standardmässig ohne Sprachfilter suchen (Bundesentscheide sind DE/FR/IT). Sprachfilter nur, wenn Sie ausdrücklich nur eine Sprache wollen.

5. Ton und Ausgabeformat steuern

Sagen Sie dem Agenten explizit, was Sie brauchen:

  • Kurz & pragmatisch: «In 10 Bullet Points für die Klientenmail.»
  • Schriftsatz-tauglich: «Mit amtlichen Zitaten, Erwägungs-Pinpoints, Subsumtion.»
  • Wissenschaftlich: «Mit Botschaft, Divergenzen in der Lehre, Entwicklung der Praxis.»
  • Checkliste / Gutachtenstruktur: Sachverhalt → Streitfragen → Normen → Praxis → Subsumtion → Ergebnis
  • Sprache: DE/FR/IT nach Bedarf; Entscheide in der Originalsprache belassen, wenn zitiert wird

6. Typische Fallstricke

  1. Normtext aus dem Modellgedächtnis — immer aktuell abrufen lassen.
  2. Falsche Erwägung raten — Claim-Suche oder explizite E.-Nummer.
  3. Leading Case ohne Kontext — Regeste + relevante E. lesen, nicht nur Aktenzeichen nennen.
  4. Verwaltungspraxis ≠ Rechtsprechung — klar trennen und als solche kennzeichnen.
  5. Kantonal vs. eidgenössisch — Zuständigkeit und Erlass-Ebene mitdenken.
  6. Überlange Pastes — lieber Kernfrage + 3–8 Präzisionsbegriffe.
  7. Mehrere unzusammenhängende Aufträge in einer Message — staffeln erhöht Qualität.

7. Fertige Prompt-Vorlagen

Leitentscheide:

Finde die 10 wichtigsten Bundesgerichtsentscheide zu Art. 328 OR (Fürsorgepflicht), mit Regeste und der jeweils einschlägigen Erwägung zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz.

Norm + Materialien + Praxis:

Gib mir zu Art. 5 BV: aktuellen Wortlaut, Zweck laut Botschaft, 5 leading cases mit Pinpoint und einen kurzen dogmatischen Überblick.

Claim-Check:

Stützt BGE 146 III 297 die Aussage, dass …? Bitte nur mit verifizierter Erwägung und Support-Verdict antworten.

Fallbearbeitung:

Sachverhalt: […]. Frage: […]. Erstelle eine gutachterliche Skizze nach Schweizer Prüfungsaufbau, nur mit belegten Normen und Entscheiden.

Kantonal:

Welche Regelungen gelten im Kanton Zürich zur [Thema]? Bitte einschlägigen Erlass, zentrale Artikel und ggf. obergerichtliche Praxis.

Qualität:

Antworte zitierfähig, canonical citations, Pinpoints nur verifiziert, am Ende kurze Quellenliste. Unsicheres bitte als solches markieren.

8. Wann welches «Produkt» verlangen?

ZielSinnvolle Form
Schnelle Orientierung½–1 Seite Übersicht + 3–5 Leading Cases
Internes MemoStrukturierte Rechtslage mit Pinpoints
Eingabe/BeschwerdeFormeller Ton, Anträge — keine erfundenen Belege
Lern-/ExamensmodusFallfrage ohne Lösung, danach Vergleich mit Analyse
Due Diligence FirmaZefix-Stammdaten + Publikationen

9. Effizienz-Tipps für den Dialog

  • Iterieren: Erst Leading Cases/Norm, dann vertiefen («nur E. 4 aus Entscheid X», «jetzt Gegenmeinung in der Lehre»).
  • Clarifications: Bei Mock-Entscheiden/Fallskizzen offene Punkte beantworten — sonst bleibt die Schlussfolgerung zurück.
  • Attest anfordern: «Bitte vor Finalisierung alle Zitate und Normen auditieren (inkl. Grounding).»
  • Ausschlüsse: «Ohne Strafrecht», «nur BGE», «nur Entscheide ab 2018», «nur FR-Texte».
  • Transparenz: Bei Lücken im Korpus lieber nachhaken als spekulieren lassen.

10. Checkliste vor einer wichtigen Antwort

  • Normtext aktuell und korrekt bezeichnet (SR / Art. / Abs.)?
  • Jeder Entscheid existiert; Zitierform canonical?
  • Jede Erwägung verifiziert (nicht geraten)?
  • Stützt die Quelle die Behauptung davor wirklich?
  • Wörtliche Zitate wortgetreu?
  • Lehre/Botschaft nur dort, wo nötig — und als solche erkennbar?
  • Kantonale vs. bundesrechtliche Ebene klar?
  • Unsicherheiten und Minderheitsmeinungen gekennzeichnet?